Cheonbugyeong -  Erklärung

一 始无 始 一
일 시무 시 일
Il Si-mu Si Il

Der eine Anfang ist leer, aber der Anfang ist das Eine.

 

Wenn es Leere gibt, braucht es auch das Eine, denn nur wenn etwas das Eine als Zentrum hat, kann es eine Form haben. Das Eine ist das Zentrum, das von der Mitte her die Form erhält. Wenn es statt der Leere nur das Nichts gäbe, dann gäbe es auch kein Zentrum, und aus dem Nichts kann nichts entstehen. Wie du jedoch sehen kannst, existiert das Universum, also muss es ein Zentrum haben. Dieses Zentrum ist eins.

Das Eine bedeutet das Innere (engl. „mind“). Das Eine bedeutet alles. Das Eine bedeutet Universum. Das Innere des Himmels und der Erde als das Eine ist das Zentrum des Universums. Alles beginnt mit dem Inneren, das das Eine ist, und dieses Innere ist in allem, auch in dir.

Daher beginnt alles mit Eins, die im Zentrum der Leere steht. Der Anfang ist leer, aber die Leere kann nur Leere sein, wenn sie das Eine als Zentrum hat.

Laut dem Buch Cheonrigyeong bedeutet die Leere, sie vollständig zu entleeren, was sich auf das Naturgesetz bezieht, das große Dao zu erreichen. Wenn man sich kontinuierlich selbst entleert, erreicht man letztlich das große Dao. Das Eine bedeutet jedoch, es kontinuierlich zu verdichten, bis man das Eine (mind) im Zentrum der Leere wird, das das Gerüst bildet, um die große Tugend zu erreichen.
Deshalb ist leer zu sein der Anfang des Einen. Der Anfang ist leer, weil das Naturgesetz der Metaphysik das Äußerste erreicht und leer wird. Das ist das grundlegende Gerüst von Substanz und Funktion (Materialisierung).

析三極 無盡本
석삼극 무진본
Seok-sam-geuk Mu-jin-bon

Selbst wenn das Eine klar in drei geschnitten wird, verschwindet die Wurzel nicht.

 

"Seok-sam-geuk" bedeutet wörtlich "schneiden-3-klar", und "mu-jin-bon" bedeutet wörtlich "nicht-verschwinden-Wurzel".

Wenn man einen Baum in drei Teile schneidet, ist er dann noch ein Baum? Man kann jeden Teil für etwas anderes verwenden, aber das ändert nichts daran, dass alle drei Teile noch von dem gleichen Baum stammen. Der Ursprung von etwas ändert sich also nicht, auch wenn man es in drei Teile zerlegt. Man kann sich auch einen Fisch vorstellen: man schneidet den Fisch klar in Kopf, Körper und Schwanz. Alle drei sind völlig verschieden, aber gleichzeitig sind sie eins, weil sie die gleiche Wurzel haben.

Dementsprechend, wenn sich das Eine in die drei äußersten Metaphysiken (Himmel, Erde und Mensch) teilt, ist ihre Wurzel immer noch dieselbe, auch wenn sie sich voneinander unterscheiden. Man kann es mit der DNA vergleichen, die immer da ist, in jeder Zelle, auch wenn die Zelle sich in mehrere teilt. Die DNA des Einen ist das Innere: sie ist im Himmel, in der Erde, und die Menschen haben sie auch in sich. Der Ursprung ist also das Innere (das Eine), und selbst wenn dieses Innere in drei geteilt wird, die sich auf völlig unterschiedliche Weise ausdrücken und völlig unterschiedliche Funktionen haben, haben sie immer noch dasselbe Innere gemeinsam, das sie vom Einen bekommen haben.

天一 一 地一 二 人一 三
천일 일 지일 이 인일 삼
Cheon-il Il Ji-il I In-il Sam

Der Eine Himmel ist eins, die Eine Erde ist zwei, und der Eine Mensch ist drei.

 

Das Eine wurde in drei Teile zerschnitten, daher ist der Himmel (Yang), als einer der drei Teile des Einen, 1, weil alles mit ihm beginnt. Man kann zum Beispiel keine Pflanze wachsen lassen, ohne zuerst einen Samen zu haben. Das Saatgut enthält die Weisheit, die DNA, deshalb ist es der Teil, der die Aufgaben erteilt.

Die Erde (Yin), als ein weiterer Teil des Einen, ist 2, weil sie den Samen wachsen lässt und ihn nährt.

Der Mensch, als der dritte Teil des Einen, ist 3, weil er Himmel (Yang) und Erde (Yin) in sich enthält und sie verbindet. Dadurch können sich die Menschen bewegen und unabhängig sein.

 

Alles im Universum folgt dem gleichen Prinzip von 1-2-3, also lass uns einige Beispiele ansehen.

(1) Wenn ein Baby im Bauch wächst, braucht es zuerst den Samen, der die DNA enthält (befruchtete Eizelle). Die DNA ist dafür zuständig, den Zellen zu sagen, wie sie sich entwickeln sollen. (2) Dann muss dieser Samen genährt werden, damit er wachsen kann. Deshalb nistet er sich in der Gebärmutter ein und verbindet sich mit dem Blutkreislauf der Mutter, der die gesamten Nährstoffe liefert. (3) Erst wenn diese beiden Schritte durchlaufen wurden, wird das Kind wachsen, bis es ein unabhängiges Wesen ist.

In Bezug auf das Universum kann man sich vorstellen, dass der Raum als Samen fungiert (1), was bedeutet, dass er zuerst da ist, dann aber die Erde (2) braucht, um Leben entstehen zu lassen (3). Die Erde wiederum kann nicht entstehen, bevor es den Raum gibt, und Leben kann nicht entstehen, bevor die ersten beiden da sind und Luft, Licht, Ernährung, Wasser usw. liefern.

Dieses Prinzip in Bezug auf Symbole zu beschreiben, heißt, dass es zuerst einen Punkt (1) geben muss, der das Zentrum ist. Aus diesem Punkt entsteht eine Linie (2). Denk mal darüber nach, hast du jemals versucht, eine Linie zu ziehen, ohne mit dem ersten Punkt zu beginnen, dem Moment, in dem dein Stift das Papier berührt? Und damit sich diese Linie in eine Form verwandelt, muss man einen Punkt und eine Linie haben und sie verbinden. Wie sieht das aus? Es ist ein Dreieck (3). Das Dreieck ist die Grundform aller Dinge, denn es enthält Himmel (Mitte, Punkt) und Erde (Linie) und verbindet sie. (Das ist auch das Prinzip hinter der Form der Pyramiden!)


Das gleiche Prinzip gilt auch für das Innere (mind), das die Wurzel des Universums ist. Die drei Hauptgeisteshaltungen, die wir, das Universum und Gott haben, sind:
(1) der Geist der Mitte: In der Mitte zu sein, ein Zentrum zu haben;
(2) der Geist der Gerechtigkeit: Die Fähigkeit, durch die Unterteilung in zwei zwischen Recht und Unrecht zu entscheiden;
(3) der Geist der Hauptstütze: Etwas zur Existenz zu verhelfen, Leben entstehen zu lassen, Himmel und Erde miteinander zu verbinden;

一積 十鉅 无匱化三
일적 십거 무궤화삼
Il-jeok Sip-geo Mu-gwe-hwa-sam

Wenn Eins sich ansammelt, wird sie zu Zehn, die groß und solide ist. Und wenn das kostbare Eine groß wird, wird Zehn leer, und dadurch wird das kostbare Eine Drei.

 

Dieser Vers lässt sich gut erklären, wenn man an ein Baby im Bauch denkt.

"Eins" bezieht sich hier auf den einen Menschen, nämlich das Baby, das im Bauch wächst und größer wird, bis es zur Geburt bereit ist. Im Fall des Babys ist das am Ende von 10 (Mond-)Monaten. Wenn also das Baby, das kostbare Eine, diese 10 erreicht, will es herauskommen. Dadurch wird der Bauch wieder leer und gleichzeitig wird das Baby zu einem eigenständigen Menschen, der durch die Zahl 3 symbolisiert wird. Wie bereits zuvor beschrieben, ist 3 der Mensch, der den Himmel (1) und die Erde (2) in seinem Inneren enthält und daher unabhängig ist, d.h. er kann sich frei bewegen und wachsen.

Im Bauch betrachtet das Baby die Mutter als das Universum: Die gesamte Ernährung, die Luft und jeglicher Einfluss kommt von ihr und das Baby hängt völlig davon ab. Doch nach ungefähr 9 Mondmonaten, wenn alle Organe ausgebildet und funktionsbereit sind, will das Baby unabhängig werden und Yin (Ernährung) und Yang (Sonne, Luft) selbst direkt empfangen. Daher dreht sich das Baby im Bauch und positioniert seinen Kopf (Yang), in Richtung der Erde. (Yin). (Das ist der Grund, warum die meisten Babys mit dem Kopf zuerst geboren werden.) Dann ist das Baby bereit, sobald die 10 erreicht wird, zu einem eigenständigen Wesen (3) zu werden.

天 二 三 地 二 三 人 二 三
천 이 삼 지 이 삼 인 이 삼
Cheon I Sam Ji I Sam In I Sam

Der Himmel ist zwei und drei, die Erde ist zwei und drei, und der Mensch ist zwei und drei.

 

"Zwei" bezieht sich auf Yin und Yang, die man im Himmel als Sonne und Mond, auf der Erde als Land und Wasser und in Menschen als Mann und Frau findet.
"Drei" bedeutet, dass jeder von ihnen alle drei in sich enthält: Der Himmel umfasst Himmel, Erde und Menschen. Die Erde enthält den Himmel als Zentrum, die Erde selbst und die Menschen, die auf der Erde leben. Und die Menschen haben eine Seele (Verbindung zum Himmel; empfängt himmlisches Qi; kehrt nach dem Tod zurück in den Himmel), einen Körper (Verbindung zur Erde; empfängt irdisches Qi; kehrt nach dem Tod zurück zur Erde) und den Menschen selbst (Potential, einen anderen Menschen zu erschaffen).
Zudem ist ihr Zweck in der Zahl drei enthalten. Das bedeutet, dass Himmel, Erde und Menschen ihren Zweck nur erfüllen können, wenn sie diese Zahl drei erreichen. Der Himmel allein kann kein Leben erschaffen oder wachsen lassen, also braucht er die Erde. Himmel und Erde allein können ohne Menschen nicht vollständig sein, denn nur wenn die Menschen mit ihnen eins werden, kann der Kreislauf erfüllt werden. Dieser Zyklus begann als Eins, die in drei geteilt wurde, die aber letztlich zu Eins zurückkehren will, so wie alles im Leben zurück zum Ursprung strebt. Der Mensch muss also wieder eins mit Himmel und Erde werden und zum Ursprung zurückkehren: Dem Inneren (mind) des Universums.

大三 合六 生七八九
대삼 합육 생칠팔구
Dae-sam Hap-yuk Saeng-chil-pal-gu

Wenn die drei großen Einen – Himmel, Erde und Mensch – miteinander verbunden sind, werden sie Sechs und geben Sieben, Acht und Neun Leben.

 

In einem Menschen ist der Himmel der Kopf: Er ist das Zentrum, die Befehlseinheit. Dieser Himmel ist vollständig, wenn er Ohren (Yin) und Augen (Yang) hat. Die vollständige Erde findet sich in den Organen, die mit Wasser (Harnsystem; Yin) und Land (Verdauungssystem; Yang) verbunden sind. Diese Organe zu haben bedeutet, dass der Mensch leben und wachsen kann. Und der Mensch selbst ist komplett, wenn er einen Körper (in diesem Zusammenhang: Yin) und eine Seele (in diesem Zusammenhang: Yang) hat. Der Körper empfängt Qi von der Erde, indem er isst und trinkt, und die Seele empfängt Qi vom Himmel durch die Atmung.
Das bedeutet, indem man ein himmlisches Yin-Yang-Paar, ein irdisches Yin-Yang-Paar und ein menschliches Yin-Yang-Paar hat, sind die „Großen Drei" (Dae-sam) – Himmel, Erde und Mensch – in einem Wesen vereint und erreichen so die Zahl 6 (Hap-yuk). So wird man das Eine, das alle drei in sich hat und das eins ist mit dem Inneren (mind) der Eltern Himmel und Erde.
Das Eine zu werden, bedeutet, dass die drei Yin-Yang-Paare aktiviert werden und man Erleuchtung in den Himmel, die Erde und die Menschheit erlangt. Wenn das himmlische Yin-Yang (Ohren und Augen) Erleuchtung erlangt, hat man die gleiche Fähigkeit, die der Himmel hat. Durch die Augen kann man alles sehen, was man sehen möchte, und durch die Ohren kann man alles hören, was man hören möchte. Wenn das irdische Yin-Yang (Land und Wasser) Erleuchtung erlangt, kann man das Wasser (Regen, Wolken, Ozean, Flüsse) und das Land (Vulkane, Erdbeben, Berge) kontrollieren. Wenn das menschliche Yin-Yang (Körper und Seele) Erleuchtung erlangt, kann man Raum und Zeit überwinden, indem man den Atem kontrolliert, die fünf Elemente des Körpers benutzt oder etwas mit Worten befehligt. Alles ist möglich, indem man sein Inneres (mind) eins werden lässt mit dem, was man tun möchte.


Nachdem man diesen Zustand der Einheit mit dem Inneren des Universums erreicht hat ("Dae-sam Hap-yuk"), ist der nächste Schritt "Saeng-chil-pal-gu", was bedeutet, Sieben, Acht und Neun Leben zu geben.
Eins mit dem Universum zu sein, bedeutet, leer zu werden. In dieser Leere entsteht Eins auf natürliche Weise als Zentrum. So erschafft man den Samen – ein neues Eines – in sich selbst, also den Beginn eines neuen Universums, indem man eins mit dem Inneren des Universums ist. Aber wie wir bereits gelernt haben, kann dieser Samen – der neue Himmel – nicht allein existieren. Er braucht Erde, um zu wachsen, und schließlich braucht es auch den Menschen, um das Leben fortzusetzen, indem er die Samen eines neuen Universums bildet.


Sehen wir uns also diesen Prozess Schritt für Schritt an.
Zuerst hast du einen neuen Himmel in der Mitte deines Kopfes erschaffen, also im oberen Hauptenergie-Punkt des Körpers. Das ist Sieben (chil). Sieben entsteht durch 6 (die Drei große Einen mit ihren Yin-Yang-Paaren) plus 1 (der neue Himmel) auf der einen Seite, kann sich aber auf der anderen Seite auch auf die Sieben als Lebensspender (= Yin + Yang + 5 Elemente) beziehen.
Der neu geschaffene Samen tritt dann ganz natürlich in den Prozess ein, zwei zu werden, weil er Erde braucht, um zu wachsen, also teilt er sich in Yin und Yang (6 + 2). Wenn Yin und Yang klar getrennt ist, beginnt der Samen sich zu bewegen. Er tritt durch das dritte Auge aus und beginnt sich nach unten zu bewegen, indem er dem Yin-Meridian (im vorderen Teil des Körpers) folgt, und nach oben, indem er dem Yang-Meridian (im hinteren Teil des Körpers) folgt. Dadurch, dass der Samen Zwei geworden ist, folgt er der richtigen Richtung ganz natürlich. Dieser Zyklus unter dem Einfluss der Erde wird fortgesetzt, bis der goldene Samen entstanden ist.
Wenn dieser zweite Schritt abgeschlossen ist, ist der goldene Samen bereit, im Zentrum des Körpers 9 (= 6 + 3) zu werden, also ein neues Wesen. Dort verwandelt sich der goldene Samen in einen menschlichen Gott, indem er das himmlische Qi aus der Atmung und das irdische Qi aus der Nahrungsaufnahme benutzt.
Ein menschlicher Gott? Ja, für diesen Gedanken musst du dein Inneres weit öffnen...
Das Wesen, das du in dir selbst erschaffen hast, indem du 6, 7, 8 und schließlich 9 erreicht hast, ist der Beginn eines neuen Universums. Es enthält die drei Einen – Himmel, Erde und Mensch – sowie den Ursprung des Universums, also das Innere (mind) des Universums. Man kann sich das vorstellen wie einen Baum, der einen Samen bildet. Indem er einen bestimmten natürlichen Prozess durchläuft, produziert der Baum einen Samen, der die Information (DNA) des "Elternbaums" enthält, aber gleichzeitig eine eigenständige Einheit ist, die das Potenzial hat, zu einem neuen Baum zu wachsen, der die DNA des ursprünglichen Baumes fortsetzt.
Das Universum folgt dem gleichen Prinzip. Der Unterschied ist nur, dass wir die Früchte sind, in denen die Samen für das neue Universum wachsen. Und deshalb ist das neu geschaffene Wesen – der Samen – ein menschlicher Gott, der letztlich der Beginn eines neuen Universums sein wird.

運三四 成環五七
운삼사 성환오칠
Un-sam-sa Seong-hwan-o-chil

Durch die Bewegung von Drei und Vier, komplettieren Fünf und Sieben einen runden Ring.

 

[ANMERKUNG: Bevor wir weitermachen, behalte bitte im Hinterkopf, dass sich Zahlen, Energien oder Funktionen je nach ihrem aktuellem Kontext verändern können. Ein Beispiel: das neue Wesen ist die Zahl 9 (ausgewachsenes Wesen), aber weil es ein Wesen ist, das Himmel, Erde und Mensch in sich hat, ist es auch die Zahl 3. Dieses neue Wesen ist aber auch die Zahl 1, was sich darauf bezieht, dass es der Samen ist, der Ursprung eines neuen Universums. Lass dich daher nicht verwirren und hänge nicht zu viel an einer bestimmten Zahl oder einem bestimmten Wort. Alles hängt immer von der Perspektive ab.]

"Un-sam-sa" bedeutet hier, dass der menschliche Gott, der ein neues lebendiges Wesen ist und deshalb jetzt als 3 bezeichnet wird, sich wieder nach oben bewegt, um einen neuen Himmel (1) im Kopf zu öffnen. Dadurch wird er zu 4 (3 + 1). Das ist möglich, denn indem er alle drei Großen Einen in sich trägt, fungiert er als Samen und wird zum Zentrum (1), dem Kern eines neuen Universums. Das bedeutet, nachdem man den Ursprung geboren hat (das neue Wesen, das alle drei Einen und damit den Geist des Universums enthält) und dieser Ursprung zum Zentrum wurde, wirst du zum Zentrum, weil sich ein neues Universum in dir öffnet.
Um zu verstehen, wie das geschieht, müssen wir den Blick auf die Entstehung des Universums richten.
Wie wir bereits erklärt haben, beginnt alles mit 1, die das Zentrum der Leere ist. Dieses Zentrum teilt sich in zwei, und wenn diese beiden klar werden (Yin und Yang), beginnen sie zu zirkulieren. Durch ihre Bewegung entsteht Leben, das heißt ein neues Wesen kommt heraus: das Universum. Denk noch einmal an den Baum: was entsteht aus dem Samen, wenn man ihm Wasser gibt? Natürlich ein neuer Baum, der die gleiche DNA hat wie der Elternbaum. Im Fall des Universums haben wir auch den Samen und den Einfluss von Yin-Yang, so dass ein neues Universum herauskommt, das dem Eltern-Universum gleicht, weil es die gleiche DNA hat (Naturgesetze, Form, etc.), also das Innere (=mind). Alles ist im Inneren enthalten. Es enthält das ganze Universum. So wie die DNA des Baumes alle Informationen darüber enthält, wie der Baum aussehen muss. Man kann keinen Apfelsamen haben und erwarten, dass er zu einem Pflaumenbaum wird. Und man muss dem Apfelbaum nicht sagen, dass er Äpfel wachsen lassen soll. Er weiß es aufgrund der DNA.
Der Samen des Universums weiß also auch, was er werden soll, wenn er herauskommt. Außerdem kommt alles, was in der DNA des Universums programmiert ist, in diesem Moment heraus. Das ist es, was man normalerweise den "Urknall" nennt. Wenn wir das so sagen, heißt das nicht, dass wir die Evolution der Welt leugnen! Wenn ein Baum zu wachsen beginnt, springt er nicht einfach als fertiger Baum aus dem Boden! Doch selbst die ersten Zellen der Pflanze wissen schon, ob sie der Stamm oder Blätter werden müssen, denn es ist alles in der DNA angelegt.
Daher sind die Dinge, die nach der Öffnung des neuen Universums ganz natürlich zuerst entstehen, Zeit und Raum. Zeit und Raum entstehen durch die Zusammenarbeit der fünf Elemente und Yin-Yang. Ein Element fungiert als Zentrum (Erdelement), und vier Elemente (Wasser, Metall, Feuer, Holz) fungieren als vier Richtungen. Diese zweidimensionale Ebene wird dann zum dreidimensionalen Raum, indem sie von Yin und Yang nach oben und unten erweitert wird.
Dieser dreidimensionale Raum ist gemeint, wenn das Cheonbugyeong von dem "runden Ring" spricht, der mit 5 und 7 komplettiert wurde, weil es sich um einen Raum handelt, der von einem Zentrum (1) aus gleichmäßig in alle Richtungen gezogen wird, durch den Einfluss der 5 Elemente (zweidimensionale Ebene) und der 7 (= fünf Elemente + Yin + Yang).

一 妙衍 萬往萬來 用變 不動本
일 묘연 만왕만내 용변 부동본
Il Myo-yeon Man-wang-man-nae Yong-byeon Bu-dong-bon

Eins ist subtil und weit verbreitet, auch wenn es Zehntausende Male herauskommt und Zehntausende Male hereinkommt, rührt die Änderung der Funktion nicht an der grundlegenden Wurzel.

 

"Il" (= eins) ist hier der menschliche Gott, das Zentrum des neuen Universums. (Denk daran, alles beginnt mit Eins.) Dieses Eine kann wirklich klein sein ("myo") aber auch überall ("yeon"). Versuche es dir so vorzustellen: wenn jemand meditiert, fokussiert er sich auf das Innere (mind), das ein sehr winziger Fleck im Inneren einer Person zu sein scheint. Da das Innere aber das ganze Universum (die DNA, die Wurzel) enthält, ist es überall und wirklich riesig zugleich. Daher ist Eins (das Innere, der Kern) sowohl ein kleines Zentrum als auch das ganze Universum.
"Man-wang-man-nae" bezieht sich auf das gleiche Prinzip: man kann 10.000 Mal nach außen handeln und 10.000 Mal eins mit der Natur sein, ohne dass sich der Kern ändert. Das kann man wieder aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Auf der einen Seite bezieht sich "Man-wang", also das 10.000-fache Handeln nach außen (Yang), auf die Sanggeuk-Zeit, in der aktiv regiert werden muss, während sich "man-nae" auf die Sangsaeng-Zeit bezieht, in der man sich 10.000-fach nach innen wendet und so wieder eins mit der Natur wird (Yin). Man kann es sich also vorstellen wie den ständigen Wechsel der Zeitalter. Auf der anderen Seite ist "Man-wang-man-nae" das, was der erleuchtete Mensch tun kann: er kann 10.000 Mal nach außen handeln oder sich 10.000 Mal auf das Innere konzentrieren, aber die Wurzel (das Innere; mind) ändert sich nie. Und warum ändert sich die Wurzel ("bon") nie? Weil es das Innere des Universums, die DNA, enthält.
Also auch wenn sich die Funktionen oder der Fokus 10.000 Mal ändern, das Innere des Universums, das die Naturgesetze enthält (alle Regeln, die Pläne, die Erinnerungen Gottes und der menschlichen Götter, alle Planeten und die Erde, sowie alle zukünftigen Dinge), ändert sich nie und verschwindet auch nicht.

本 心 本太陽 昻明 人 中天地 一
본 심 본태양 앙명 인 중천지 일
Bon Sim Bon-tae-yang Ang-myeong In Jung-cheon-ji Il

Die Wurzel ist das Innere. Die Wurzel ist wie die Sonne und ihre Helligkeit ist groß. Der Mensch wird zum Zentrum von Himmel und Erde. Daher wird es das Eine genannt.

 

Wenn du die ganze Erklärung des Cheonbugyeong gründlich gelesen hast, wirst du diesen Teil leicht verstehen.
Die Wurzel ist das Innere (mind), denn alles beginnt im Inneren (1) und das Innere enthält alles. Dieser innere Kern ist hell wie die Sonne, weil er außen "tae-yang" (großes Yang) ist und sich das Yin im Inneren versteckt. Am Anfang, wenn es nur das Zentrum gibt, gibt es daher nur Licht (Yang) und Vibration (Yin). Das ist der Grund, warum in der Vergangenheit erleuchtete Menschen oft mit einem Heiligenschein um den Kopf beschrieben wurden. Das Zentrum des neuen Universums sitzt im Kopf des erleuchteten Menschen und sendet von dort helles Licht aus.
Indem er diesen leuchtenden Kern des neuen Universums im Kopf hat, wird der Mensch schließlich zum Zentrum des Himmels und der Erde, das das Eine ist. Daher kann der Zweck des Universums im Menschen erfüllt werden: das Universum kann sein Leben in seinem Nachkommen, dem neuen Universum, fortsetzen.

一 終无 終 一
일 종무 종 일
Il Jong-mu Jong Il

Das Ende des Einen ist leer, aber das Ende ist das Eine.

 

Wenn der Mensch das Eine – das Zentrum eines neuen Universums – wird, wird er vom Eltern-Universum unabhängig. Der Zweck des Eltern-Universums ist erfüllt, weil das neue Universum geboren wurde. Dadurch wird das Eltern-Universum leer, ähnlich dem Bauch der Mutter, nachdem sie das Baby geboren hat. Das Baby ist dann ein individuelles Wesen – auch wenn es noch die Hilfe der Mutter braucht – weil es nicht mehr körperlich mit einem anderen Menschen verbunden ist.
Wenn also das neue Universum durch den Menschen geboren wurde, ist das Eltern-Universum (das Eine) leer und das neue Universum wird zu einem individuellen Wesen, das wieder das Eine ist.